schwule Männer gibts nicht erst seit heute - und wir sind nach wie vor begehrt
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- Das
Grab eines mann-männlichen Freundespaares (The Tomb of NIANKHKHNUM AND KHNUMHOTEP) im alten Ägypten
- ca. 475 AD. Paestum (Italien): Männerpaar beim Gastmahl
Platon (427 - 347 v. Chr.) das Gastmahl und die Entstehung der Liebe
Der Mythos vom Dritten Geschlecht, später von Theophile Gautier und Magnus Hirschfeld benutzt.
Betrachtungen über die Männerliebe der Griechen, nebst einem Auszuge aus dem Gastmahle des Plato (von Christoph Meiners, 1775).
- - 600
Anakreon preist den heiteren Lebensgenuß
und andere Sänger der auch Mann-männlichen Liebe:
Meleagros (-140 bis - 60):"Ist auch der Hintern schön glatt, Nemesis sucht ihn doch heim!"
"Wehrlos liege ich, setz mir den Fuß auf den Nacken,..."
Straton (2. Jh.): "Denn zweie bedient der Mann in der Mitte,
hinten gewährt er die Lust, vorne genießt er sie selbst."
"Brachte mich auch das Arschficken um, und quält mich deswegen heute die leidige Gicht"
"salbten mit herrlichem Öle dich, du liebes Gesäß"
Vergil (Publius Vergilius Maro, 15.10.-70, 21.09.-19), römischer Dichter, stellt in der 2. Ekologe(Hirtengedichte, entstanden um -40, Titel 'Alexis') die Liebe zu einem Knaben dar. In weiteren die schönen Hirten Daphnis und Corydon. Hirten spielen miteinander Flöte und preisen die Liebe vielfältiger Art.
Horaz (8.12. - 65 v.Chr., 27.11. -8) Schöpfer der römischen Lyrik ( Oden/Carmina zwischen -23 und -13, Epistel -20 erschienen). Deutsche Horaz-Übertragungen u.a. von Wieland, Herder, und Graf August von Platen.
Tibull (Albius Tibullus , -50, -17)
- 123 Kaiser Hadrian (76 - 138, röm. Kaiser 117 - 138) lernt Antinous kennen
Nach dem Tode des Antinous läßt er diesen göttergleich verehren.
- 150 Lukian schildert in den "Göttergesprächen" den Raub des Ganymed durch Zeus/Jupiter und die darauf folgende Eifersuchtsszene mit Hera/Juno wegen des schönen Mundschenk-Bettgenossen.
- 326 Kaiser Konstantin der Große setzt Recht, später in den Codex Iustinianus aufgenommen.
- 390 in einem Edict präzisieren Valentinian, Theodosius und Arcadius II. die Strafbestimmung Konstantins
Feuer und Flamme
- 559 Codex Justinianus
Feuer und Flamme für Sodomiter
- 1073 Papst Gregor VII ordnet die Verbrennung aller vorhandenen Manuskripte mit Sappho's Dichtungen an.
- 1209/1215 Moscharref od-Din ibn Saadi (Schiras etwa 1209/15 - Schiras 09.12. 1292)
Sein "Golestan" (Rosengarten) wurde von Maurice Bejart zum
1000-jährigen Bestehen des Iran in Persepolis als Hymnus an
männliche Schönheit als Ballett inszeniert. "Golestan" und "Bostan"
wurden von Friedrich Rückert übersetzt.
In "Lieblingminne und Freundesliebe in der Weltliteratur"
von Elisar von Kupffer (1900) sind einzelde Übertragungen enthalten.
In seiner Anthologie
"Ioläus" betont Edward Carpenter die Probleme
bei der Übersetzung von Saadi und Hafis.
- 1233 Papst Gregor IX. (1227 - 1241)
Vox in Rama
Lateranpalast, Kaiser Nero`s Schwangerschaft, Kröten und widernatürlichen Unzucht
- 1300 Dante Alighieri (Florenz Mai 1265 - Ravenna 14. September 1321): (Divina) Commedia.
In Gesang XV, XVI und XXVI des "Infernos" (Fegefeuer) wird
sein Lehrer
Brunetto Latini (1212?-1294) und andere seinerzeit notable in
respektvoller Weise im Zug der Verdammten geschildert.
Dante Alighieri "Divina Commedia - Inferno" Brunetto Latini im Fegefeuer
Robert Hollander
Dante's Harmonious Homosexuals
Giovanni Dall'Orto
Dante Alighieri e i sodomiti
- 1307 13.Oktober Frankreich: Die
Tempelritter in Frankreich werden verhaftet, ihre Ordenshäuser
königlicher Aufsicht unterstellt und ihre Güter beschlagnahmt.
Obgleich der Überraschungscoup von König Philipp IV. dem
Schönen von Frankreich zunächst die gewünschten
Ergebnisse zeigte, verfehlte er sein Hauptziel: Das immense Vermögen
des Ordens, dem sein eigentliches Interesse galt, entging seinem Zugriff.
Die Verfolgungen und Prozesse dauerten an bis März 1314, als
Jacques de Molay, der Großmeister, und Geoffrei de Charnay,
Großpäzeptor der Normandie, bei lebendigem Leibe
-ohne vorherige Tötung- verbrannt wurden.
(von Friedrich Schiller in seinem Maltheser-Drama evangelisch-zurückhaltend thematisiert)
- 1320 Hafis - Dichtername des persischen Dichters Schams od-Din Mohammed (Schiras um 1320 - Schiras 1388)
Bedeutendster Dichter im alten Persien. Seine in
Ghaselen verfasste
Lyrik kreist um den Freund, den ganymedgleichen Mundschenk. Er besingt in moralische
Ambivalenz das sich im Weine spiegelnde Bild des Geliebten.
Die Erschließung der persichen Kultur durch die Übersetzung
des "Diwans" durch J.von Hammer-Purgstall 1812/13 regte
Goethe zu seinem
"West-östlichen Divan" an.
Friedrich Rückert übersetzte die Ghaselen des Hafis unter
Beibehaltung der Form.
- 1410 Antonio Panormita (1393 Palermo/Sizilien - 06.01.1471 Florenz) widmet seinen "Hermaphroditus" (ca. 1410 verfasst, 1791 gedruckt und 1824 in einer kommentierten Ausgabe von C. Fr. Forberg herausgegeben) Cosimo dei Medici
In seinen lateinischen Versen greift er die antike Tradition auf, schildert zynisch-belustigt auch "das Biegen der Knaben" und die Kapazität des Hinterns.
- 1440 Gilles de Rais (1404 - 1440) wird im Auftrag des Bischofs von Nantes festgenommen. Unter der Folter gesteht der Freund von Jeanne d'Arc, mehr als 200 Jungen vergewaltigt und getötet zu haben, zudem um mit alchemiestischen Prozeduren sein Vermögen zu mehren.
- 1507 Bambergische Halsgerichtsordnung Artikel 141
1532 aufgenommen in die Carolina als Artikel 116
- 1532 CCC -
Kaiser Karls peinliche Halsgerichtsordnung, das erste Reichsstrafgesetzbuch in deutscher Sprache
Carolina Artikel 116
- 1549 Giovanni
Sodoma (eigentlich Giovanni Antonio [dei] Bazzi, Maler (1477 Vercelli - 15. Februar 1549 Siena)
Sein Wahlname Sodoma bezieht sich auf seine Vorliebe.
- 1593 Christopher Marlowe (1564 - 1593). Der Dramatiker wird nach einem Gasthausstreit mit unbekanntem Hintergrund erstochen. Den Tätern wird die Strafe von der Königin erlassen, soll Marlow doch immer wieder ketzerische Reden gegen die Religion gehalten und u.a. behauptet haben, der Jünger Johannes sei ein Bettfreund von Jesus gewesen und habe es mit ihm wie die Sünder von Sodom getrieben.
In seinem Drama „König Edward II.” (1592) thematisiert die Beziehung des Königs zu seinem Geliebten Gaveston.
“Die größten Könige hatten ihre Minions.
Der große Alexander liebte Hephästion;
der Sieger Herkules weinte um Hylas;
und um Patroklos ward Achilles krank.
Und Könige nicht allein, auch weise Männer:
der Römer Tullius liebte Octavius,
und Sokrates den Alkibiades.
Drum laßt dem König, dessen Jugend lenksam
und doch verspricht, soviel wir wünschen können,
den Spaß an diesem eitelen Narrengrafen,
denn reifere Zeit entwöhnt ihn solchen Tands.”
- 1594
Richard Barnfield, Zeitgenosse Shakespeares: "The Affectionate Shepheard" (1594), "Cynthia, with Certayne Sonnets" (1595, "Sometimes I wish that I his pillow were, so might I steale a kisse." )
- 1595 Frankfurt: Entstehung von Transsexualität durch Schock der Mutter während der Schwangerschaft
- 1640 Shakespeare's Sonnete werden in der ersten relevanten Ausgabe vom Herausgeber John Benson überarbeitet. Er ersetzt "he" und "him" durch "she" und "her".
- 1652 "
Alcibiade, fanciullo a scola" gedruckt
- 1677 Maximus Tyrius
„de amatoria Socratis”
Homosexual Pastoral Tradition
- 1683 Eugen von Savoyen (“Türkenluis”, “Madame Simone” “Madame Lausiene”, “Eugenius Madame Putana”, &ldqup;Mars ohne Venus”)
nach seiner Flucht aus Paris macht er eine beispiellose Karriere am Wiener Hof als Retter Europas vor der Türkengefahr
Auf ihn zielt die Aufzählung auf schwulenbewegten T-Shirts “Wir sollen immer wieder die (...), das christliche Abendland retten, um uns für den Mann im Bett zu entschuldigen.”
“Er incommodiert sich nicht mit Damen, ein paar schöne Pagen wären besser seine Sache!” (Liselotte von der Pfalz)
- 1684 John Wilmot, Earl of Rochester, "Sodom: or, The Quintessence of Debauchery" in Antwerpen gedruckt. Einzelne Abschriften des Manuskripts überstanden die Zeitläufe, aus denen die heutigen Ausgaben hervorgingen.
- 1752 Johann Matthias Gesner (1691 -1761) „Socrates Sanctus Paederasta”
in Commentarii Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis. Tomus II, 1-31
Seperatdruck Utrecht: Joannis van Schoonhoven & Soc, 1769
- 1753 Alexis
Piron (Dijon 08.Juli 1689 - 02.Januar 1773) wird wegen seiner viel früher verfaßten
Ode an Priapos aufgrund des Einspruchs von Ludwig XV. nicht in die Akademie
berufen. Der Dichter August von Platen notiert in
seinen Tagebüchern, er habe erst durch diese Ode von physischer Liebe
zwischen Männern erfahren. Während des Frankreichfeldzuges 1815
für 5 Tage in der kleinen Ortschaft Bar le Duc einquartiert fand er
in der Bibliothek eine Ausgabe der Oevres von Piron.
Alexis Piron "Ode an Priapus"
- 1766 G. E.
Lessing Laokoon . Eine kritische Auseinandersetzung mit der kunsthistorischen Sicht von J. Winkelmann. 1769 von Herder in den "kritischen Wäldern" ausführlich thematisiert.
- 1767 Johann Joachim Winckelmann (09.12.1717 Stendal - ermordet 08.06.1767 Triest) (alte Schreibweise: Winkelmann)
Er versteckte seine Vorliebe nicht, schuf ein bis heute nachwirkendes Griechenlandbild und lebte sein Leben ohne Vorbilder seiner Zeit als neugeborener antiker Grieche; Schönheit ist nach Winkelmann männlich. Bemerkenswert der Briefwechsel mit seinen Freunden und die sich um seine Vorliebe entwickelnde Diskussion der führenden europ. Denker seiner Zeit - leider zumeist erst nach seinem Tod (z.B. Giaccomo Casanova, J. W. von Goethe), im Rahmen von Würdigungen seines Lebenswerks.
„Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“
(Johann Wolfgang von Goethe)
- 1768 - 1770 König Friedrich II ("der Große") läßt den
Freundschaftstempel errichten.
An den 8 korinthischen Säulen sind Medaillonbilder aus Marmor angebracht, die berühmte Freundespaare der Antike zeigen: Orest und Pylades, Euryales und Nisos, Herkules und Philoktetes, Theseus und Peirithous. In der offiziellen Beschreibung nur völlig unerotische Motive.
- 1769 Johann Gottfried von Herder thematisiert in den 2 ersten Bänden der "Kritische Wälder" Lessings Auseinandersetzung mit Winckelmann und vertuscht dabei dessen griechische Männerliebe nicht.
- 1775 Christoph Meiners Christoph Meiners (Professor der Weltweisheit in Göttingen): Betrachtungen über die Männerliebe der Griechen, nebst einem Auszuge aus dem Gastmahle des Plato.
- 1777 Friedrich Wilhelm von Steuben kann als Schwuler im preußischen Dienst keine Karriere machen und tritt 1777 in amerikanischen Dienst. Als Generalinspekteur von George Washington dem trägt er wesentlich zum Sieg der Nordstaaten bei.
- 1778 Cesare Beccaria
„Dei delitta e delle pene” (1764) - Deutsche Ausgabe:
Des Herrn Marquis von Beccaria unsterbliches Werk von Verbrechen und Strafen.
Mit durchgängigen Anmerkungen des "deutschen Beccaria", Hofrath Karl Ferdinand Hommel
Beccaria: "von Verbrechen und Strafen", mit Anmerkungen von Hommel
- 1785 Immanuel Kant: "Zweytens gehört zu den Criminibus carnis contra naturam die Gemeinschaft des sexus homogenii, wenn der Gegenstand der Geschlechts-Neigung zwar unter den Menschen bleibt, aber verändert wird, wo die Gemeinschaft des sexus nicht heterogen, sondern homogen ist, d. i. wenn ein Weib gegen ein Weib, und ein Mann gegen einen Mann seine Neigung befriedigt."
(aus den Vorlesungsmitschriften von Georg Ludwig Collins)
- 1785 (England): Die erste -allerdings erst 1978(!) veröffentlichte-
Stellungnahme für eine Strafrechtsreform in England, gegen die
"Paederastie" betreffenden Strafbestimmungen, wird um 1785 verfasst.
Jeremy Bentham "Offences Against One's Self"
- 1787 Österreich Josephina § 71 (Strafgesetzbuch)
Abschaffung der Todesstrafe
- 1792/1794 Allgemeines Landrecht für die preußischen Staaten § 1064
Abschaffung der Todesstrafe in den preußischen Staaten
- 1798 Friedrich Wilhelm Basilius von Ramdohr (1757 - 1822)
Ramdohr: „Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, ueber ihre Veredlung und Verschönerung”
- 1798 Honoré Gabriel de Mirabeau "Hic und Hecs amouröse Abenteuer"
- 1805 August Herzog von Sachsen-Gotha (1772 - 1822)
Novelle „Kyllenion oder Ein Jahr in Arkadien”
aus dem Nekrolog auf den Tod des Herzogs
- 1805 Johann Wolfgang von Goethe: „Winckelmann und sein Jahrhundert”
Goethe West-Östlicher Divan
- 1813 Bayern schafft die Strafbestimmungen gegen Schwule ab.
- 1817 Franz Desgouttes (1785 Bern - 30.09.1817 Bern)
Der Advokat wird von seinem jungen Schreiber Daniel Hemmeler nicht
erhört und ersticht diesen. Er wird vom Berner Oberappelationsgericht
zum Tod durch Erwürgen und Rädern verurteilt. Die grausame
Hinrichtung veranlasst Heinrich Hößli zu seinem Engagement.
“In Griechenland wäre er vielleicht der großen Künstler,
der Weisen oder Vaterlandshelden einer geworden, durch die Freundschaft
der Seelen, bei uns ward er dadurch Mörder und die Gesetze führten
ihn zum Rabenstein.” (Zschokke auf Anregung von Hößli
betreffs Desgouttes)
- 1821
Heinrich Zschocke
publiziert nach einem Gespräch mit Heinrich Hößli die Novelle
„Eros - über die Liebe”
Hößli ist entsetzt.
- 1828 das aufgeklärte Strafrecht spiegelt sich z.B. in der hier zufällig
ausgewählten 10. Auflage des Feuerbach`schen Lehrbuchs als Text bzw. als Auszug in Bildern und pdf des peinlichen Rechts (peinliches Recht = Strafrecht)
- 1829 Heinrich Heine - August Graf von
Platen-Hallermünde:
“mehr ein Mann von Steiß” (Heine) “Was den
Juden Heine betrifft”, "Petrark des Lauberhüttenfests" (Platen)
"Dabei komt nun vor Allem in Betracht, daß der Urning, entsprechend
seiner heimlichen, feinfühligen, verschloßenen Natur
überhaupt kein Polemiker ist, Platen also schon von Haus aus mit
zu geringen Kräften sich in den Kampf einließ, während
der sinlich-strozende Heine natürlich mit dem dem heterosexualen
Tipus angeborenen Elan sich auf den Gegner stürzte." (Oskar Panizza:
Heine und Platen)
Heinrich Heine nimmt 1827 in den Band 2 seiner "Reisebilder" einige auf
Platen gezielte Xenien ("Verse") von Immermann auf.
Platen wütet wegen der Zeilen:
"Von den Früchten, die sie aus dem Gartenhain von Schiras stehlen,
essen sie zu viel, die Armen, und vomiren dann Ghaselen."
(vomiren dann Ghaselen = Ghaselen als Verdauungsprodukt) beziehungsweise
"Ganz bewältigt er die Sprache; ja, es ist, sich tot zu lachen,
seht nur, was für tolle Sprünge läßet er die Armen machen!"
In seinem Lustspiel "Der romantische Oedipus"
(Tübingen: Cotta, 1829) greift Platen daraufhin Heinrich Heine
("Synagogenstolz", "Same Abrahams", "Petrark des Laubhüttenfestes")
und dessen Freund Immermann an.
Im Dezember 1829 antwortet Heine vernichtend in seinen
"
Reisebildern"
Bd. 3 / 2. Teil. Dabei taucht der Begriff
"warmer Bruder"
in der Form "Auf dem Hinterblatte stand zierlich geschrieben:
Geschenk warmer brüderlicher Freundschaft." im öffentlichen
Meinungskampf auf.
Die entscheidenden Kapitel "Die Bäder von Lukka", Kapitel X und XI
Referenz zu Kapitel X und XI der Reisebilder.
Georg Herwegh
Rettung Platens
andere Vers-Fundstücke von Heinrich Heine
- 1833 Gründonnerstag: Giuseppe
Gioacchino Belli (1791–1863, seit 1852 päpstlicher Theaterzensor zensierte er z.B. das Libretto von Verdis Rigoletto) thematisiert im Sonett »Gründonnerstag« in für die Entstehungszeit (1833) unerhörten Kühnheit die Störung zweiere Männer (die leibliche Brüder sein könnten) beim Geschlechtsakt durch einen fernen Kanonenschuß, der den päpstlichen Segen ankündigt.
- 1834 06.06. Vergewaltigung im Wald bei Ratibor
- 1835 Théophile Gautier
Ein Leben als Bohemien für Schönheit und Lustprinzip -die bislang unterdrückten Regungen zu gebrauchen, die von den gesellschaftlichen Normen tabuisierten Triebe anzueignen- mit „erektiler Phantasie“ zu Beginn der Moderne.
Gautier benutzt -wohl als erster Autor der Moderne- die Bezeichnung “Drittes Geschlecht”.
„Mademoiselle de Maupin” (1834/35)
- 1836
Heinrich Hößli (1784 - 1864)
„Eros. Die Männerliebe der Griechen ...” - die Titelblätter
Band 1 erschienen
- 1837 C. L. Klose und Moritz Hermann Eduard Meier
Päderastie
in: J. S. Ersch / J. G. Gruber: Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und der Künste
- 1838 Heinrich Hößli (1784 - 1864)
„Eros. Die Männerliebe der Griechen ...”
Band 2 erschienen
- 1856 Charles Baudelaire
„Die Blumen des Bösen” (Les Fleurs du Mal)
- 1859 Arthur Schopenhauer ergänzt das Kapitel 44 "Metaphysik der Geschlechtsliebe" von "Die Welt als Wille und Vorstellung" um einen Anhang:
Die "höchsten Grade widerwärtige und Abscheu erregende Monstrosität
ist eine natürliche Erscheinung. Da der Samen junger und alter Männer zur Zeugung nicht taugt
hat die Natur zur Vermeidung der Zeugung schwächlicher und kränklicher Kinder die Paederastie als Liebe des älteren zum jüngeren eingerichtet.
- 1862 22. September - 23. Dezember Vier Briefe von Karl Heinrich Ulrichs (Numa Numantius) an seine Verwandten
- 1863 Konstantin Kavafis (29.04.1863 - 29.04.1933)
Gedichte
- 1865 Deutscher Juristentag Karl Heinrich Ulrichs reicht eine Petition zur Abschaffung der Strafbestimmungen ein, welche vom Vorstand unterdrückt wird.
- 1867 Deutscher Juristentag München: Karl Heinrich Ulrichs fordert öffentlich die Abschaffung aller gegen Urninge gerichteter Paragraphen. Urninden werden zu dieser Zeit vom Gesetz ignoriert, selbst Ulrichs führt den Begriff nachträglich ein als er erfährt, daß es weibliebende Frauen aktuell gibt, nicht nur in der Antike.
28. August 1825 Gut Westerfeld bei Aurich - 14. Juli 1895 Aquila (Italien)
Liebhaber der lateinischen Sprache und fesch uniformierter Männer
1868 erscheint seine Kampfschrift
„
Gladius furens. Das Naturräthsel der Urningsliebe und der Irrthum als Gesetzgeber„
- 1869 Karl Maria Kertbeny (1824 - 1882)
„§ 143 des preußischen Strafgesetzbuches vom 14. April 1851 und seine Aufrechterhaltung als § 152 im Entwurfe eines Strafgesetzbuches für den Norddeutschen Bund”
Die Wortschöpfung “homosexual” wird von ihm im Kampf gegen das preußische Strafrecht gebildet.
...“wollen wir hoffen, anthropologisch auch nur annähernd den richtigen Schlüssel zur Erklärung des Naturräthsels der Homosexualität zu erlangen.”
Zastrow-Prozeß
- 1869 Karl Friedrich Westphal "Die conträre Sexualempfindung, Symptom eines neuropathischen (psychopathischen) Zustandes."
- 1869 Friedrich Engels“Die Päerasten fangen an sich zu zählen und finden, daß sie eine Macht im Staat bilden.”
- 1870 Karl Heinrich Ulrichs „Araxes. Ruf nach der Befreiung der Urningsnatur vom Strafgesetz. An die Reichsversammlungen Norddeutschlands und österreichs” erscheint
- 1871/2 § 175 Reichsstrafgesetzbuch
im Zuge der Reichsgründung aus dem preußischen Paragraphen 143 hervorgegangen
1873 John Addington Symonds verfasst das Manuskript "A Problem in Greek Ethics", siehe 1883.
- 1877 Richard von Krafft-Ebing "Über gewisse Anomalien des Geschlechtstriebes..."
- 1880 Karl Heinrich Ulrichs „Critische Pfeile. Denkschrift über die Bestrafung der Urningsliebe” erscheint
- 1883
John Addington Symonds (1840 - 1893)
„A Problem in Greek Ethics being an Inquiry into the Phenomen of Sexual Inversion”
(Geschrieben 1873, 1883 in 10 Exemplaren gedruckt und erst 1897/1901 allgemein zugänglich)
- 1886 Dr. Richard von Krafft-Ebing
„Psychopathia Sexualis Eine klinisch-forensische Studie.”
- 1891 Karl Heinrich Ulrichs wird in Aquila von John Addington Symonds und dessen Freund besucht.
- 1891 Paul Verlaine (30.3.1844 Metz - 8.1.1896 Paris) Die Mehrzahl der erst 1903 unter dem Titel "Hombres" erschienenen Gedichte entstand 1891.
- 1891 Jean-Nicholas-
Arthur Rimbaud (20. Oktober 1854 Charleville - 10. November 1891 Marseille)
- 1891 Albert Moll „Die konträre Sexualempfindung” erscheint
"Der Urning verlangt die Befriedigung seines Triebes mit derselben Leidenschaft, wie der normale Mann den Beischlaf bei dem Weibe. Der Trieb ist ein innerer, vom Willen und von ethischen Motiven unabhängiger Vorgang; er kann mithin als solcher nicht die Schlechtigkeit des Charakters bei einem Manne darthun." (Seite 71)
"Der Spiegel spielt bei ihnen eine grosse Rolle, indem sie lange Zeit bei der Toilette sich vor ihn hinstellen, um zu probiren, wie die Toilette aussieht."
"den sexualen Hintergrund ihrer Zuneigung zu anderen Männern durch den weiten Begriff der Freundschaft bemänteln wollen."
Nach Moll werden in Berlin zu dieser Zeit vorwiegend homosexual veranlagte Weiber in ihren Kreisen gewöhnlich als "schwul" bezeichnet, nur gelegentlich benutzen Urninge diesen Ausdruck in Bezug auf sich selbst. "Wenn zwei Weiber nun miteinander zusammenleben und ein festes Verhältniss haben, so spricht man auch von einer schwulen Ehe oder einem schwulen Verhältniss."
- 1891 John Addington Symonds: in einer Auflage von 50 Exemplaren erscheint der Privatdruck "A Problem in Modern Ethics", 1896 dann in einer allgemein zugänglichen Ausgabe.
- 1894/5 Edward Carpenter "The Homogenic Love and its Place in a Free Society" erscheint in England in einer Kleinauflage als Privatdruck, 1895 in Deutschland beim Max-Spohr-Verlag.
- 1895
Edward Carpenter
„
Die homogene Liebe und deren Bedeutung in der freien Gesellschaft”
Hall-Carpenter-Archives
Briefkarte Carpenters aus Millthorpe (wo er ab 1898 mit seinem Freund George Merrill lebte, den er seit 1892 kannte und welcher für E. M. Forster zum Vorbild für seinen Roman "Maurice" wurde.) an Rix vom 4. April 1895
- 1895 26. April Erster Tag des
Prozesses
gegen
Oscar Wilde
- 1896 Henry Havelock Ellis/John Addington Symonds „Das konträre Geschlechtsgefühl” erscheint
Magnus Hirschfeld „Sappho und Sokrates” erscheint unter dem Pseudonym Th. Ramien
- 1896
Paul Verlaine (30.3.1844 Metz - 8.1.1896 Paris)
- 1897 Das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee
wird am 15. Mai 1895 mit dem vordringlichen Ziel der Reform des § 175 RStGB in Berlin gegründet von
Franz Joseph von Bülow ( - ) Magnus Hirschfeld (1868 - 1935) Eduard Oberg (1858 - 1917) Max Spohr (1850 - 1905)
Dezember: Die "Petition an die gesetzgebenden Körperschaften des deutschen Reiches behufs Abänderung des § 175 des R.-St.-G.-B." wird den Mitgliedern des Reichstages und des Bundesrates zugeleitet.
Die Petition ist enthalten in der Broschüre „Was muß das Volk vom dritten Geschlecht wissen?” von 1901 und in der Denkschrift von 1925.
- 1898 Der Eigene. Monatsschrift für Kunst und Leben
wird als erste Schwulenzeitschrift der Welt von Adolf Brand in Berlin-Neurahnsdorf herausgegeben.
Paul Brand (1874 - 1945) wird in den kommenden Jahrzehnten mehrfach gerichtlich verurteilt.
- 1898 13. Januar August Bebel fordert bei der ersten Lesung der "Lex Heinze" im Reichstag eine Überprüfung des §175 und bringt die Petition des WhK in den Reichstag ein.
- 1899 Das „Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen” erscheint erstmals. Um die Zeitschriftenzensur zu umgehen als Jahrbuch in mehreren Lieferungen pro Jahr.
- 1900 Elisarion von Kupffer (1872 - 1942)
„Lieblingsminne und Freundesliebe in der Weltliteratur”
- die erste schwule Anthologie. 1903 folgt dann ein Prozeß wegen
der von der Staatsanwaltschaft angenommenen Sittenwidrigkeit. Es kommt
zum Freispruch, da das Buch sich an einen gebildeten Leserkreis wendet
und deshalb heikleren Stoff behandeln darf, als ein an die breite
Öffentlichkeit gerichtetes Werk.
- 1900 25.06. Lex Heinze - den unscharfen "Unzuchtsbegriff" des Strafrechts weitet der neu eingeführte §184a (die "Lex Heinze") stark aus.
- 1901 „Was muß/soll das Volk vom dritten Geschlecht wissen?”
Eine Aufklärungsschrift über gleichgeschlechtlich (homosexuell) empfindende Menschen.
Herausgegeben vom Wissenschaftlich-humanitären Komitee”
(bis 1911 in einer Auflage von 50 000 Exemplaren verbreitet)
- 1902 Skandal um den “Kanonenkönig” Alfred Krupp. Er muß Italien verlassen; der sozialdemokratischen “Vorwärts” macht die italienischen Lustknaben und "Capri-Fischersburschen" publik. Krupp wird wenige Tage später tot aufgefunden.
- 1903 Magnus Hirschfeld: Fragebogenaktion unter 3.000 Berliner Studenten zu ihrer sexuellen Orientierung. Hirschfeld wird wg. Beleidigung verurteilt.
- 1904 Magnus Hirschfeld: Fragebogenaktion unter 5.721 Metallarbeitern zu ihrer sexuellen Orientierung.
- 1906 Siegmund Freud
„Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie”
In der 3. Auflage (1915) wurde eine Fußnote eingefügt.
- 1907/08 Harden-Eulenburg-Moltke-Skandal
Die Skandalprozesse um die Liebenberger Tafelrunde (Fürst Eulenburg), den Berliner Stadtkommandanten (von Moltke); (im nächsten Umfeld des Kaisers) und Maximilian Harden führen zu einem scheren Rückschlag für die Schwulenbewegung
Magnus Hirschfeld ist als Gutachter in umstrittener Weise in die Prozeßserie verwickelt.
Diese Rolle karrikiert Otto Reuter in seinem Hirschfeldlied “Der Hirschfeld kommt!”. Auf einer populären Karrikatur “Panik in Weimar” mit der Abbildung des Weimarer Klassikerdenkmals beenden Goethe und Schiller das Händchenhalten, um bei Dr. Magnus Hirschfeld nicht in Verdacht zu kommen.
- 1908 Magnus Hirschfeld begründet die ZfS - Zeitschrift für Sexualwissenschaft.
- 1911 André Gide (1869 - 1951)
„Corydon. Vier sokratische Dialoge.” erscheint 1911 zunächst anonym.
„Stirb und werde” (1920/21, ein autobiographischer Bericht über seine ersten 26 Lebensjahre) und „Die Falschmünzer” (Les Faux-Monnayeurs, 1925) sorgten für Aufruhr
1951 setzt die katholische Kirche das Gesamtwerk des Nobelpreisträgers auf den Index.
- 1912 Hans Blüher (17.2.1888 Freiburg/Schlesien[Swiebodzice] - 4.2.1955 Berlin)
„Die Wandervogelbewegung als erotisches Phänomen” (1912)
„Die Rolle der Erotik in der männlichen Gesellschaft” (1917-1919)
Seine Thesen zur Sexualität in männerbündischen Gruppen wurden als Skandal aufgenommen
- 1913 Marcel Proust (1871 - 1922)
„
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: In Swanns Welt” erscheint auf Kosten des Autors in einer Auflage von 1500 Exemplaren (Sodom & Gomorrha erscheint in deutscher Sprache erst im Zuge einer vollständigen Neuübersetzung 1953 - 1957, die in den 20-iger Jahren begonnene dt. Ausgabe wurde durch die Nazizeit nicht weiterbetrieben.).
- 1914
Magnus Hirschfeld (14. Mai 1868 Kolberg - 14. Mai 1935 Nizza)
Die Homosexualität des Mannes und des Weibes
Handbuch der gesammten Sexualwissenschaft in Einzeldarstellung Band 3
fast 1100 Seiten zum Thema erscheinen. Hirschfeld behandelt das Thema sowohl unter biologischen als auch unter soziologischen Aspekten.
Auch ein eigenes Kapitel über „Die organisierte Bewegung gegen die Verfolgung der Homosexuellen” und „Die geistigen Förderer des Befreiungskampfes” fehlt nicht.
- 1919 6. Juli: Institut für Sexualwissenschaft
von Magnus Hirschfeld (14. Mai 1868 Kolberg - 14. Mai 1935 Nizza) gegründet und finanziert
Hirschfelds Film „Anders als die Anderen” soll das Volk aufklären. Unter gleichem Titel später auch der Film von Veidt Harlan (1957).
- 1919 Sigmund Freud „Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci” erscheint
Die unterschiedlichen Auffassungen Freuds und Hirschfelds werden unüberbrückbar.
- 1920 4. Oktober 1920 München: Magnus Hirschfeld wird von Rechtsradikalen und Antisemiten nach einem öffentlichen Vortrag überfallen. Er überlebt nur, da diese den Schwerverletzten für tot halten.
- 1921 25. August “Das lila Lied”
- 1921 30. August: Gustav Wyneken (19.03.1875 Stade bei Hanburg - 08.12.1964 Göttingen), Reformpädagoge und Gründer der “Freien Schulgemeinde Wickersdorf” wird in einem aufsehenerregenden Strafprozeß verurteilt. Er habe sich an 2 seiner Schüler vergangen.
„Eros” (1921) In dieser damals viel gelesenen Broschüre legt er seine Haltung zum pädagogischen Eros dar.
- 1922
Kurt Hiller "§ 175 - die Schmach des Jahrhunderts” erscheint
Portrait Kurt Hiller
- 1923/1924 Haarmann-Prozeß in Hannover
Der
Prozeß gegen den Polizeispitzel mit Verurteilung wegen 24 sadistisch-kanibalistischen Morden ist bis heute bekannt.
Die
Bemühungen des Hanoveraner Professors Theodor Lessing um eine differenzierte Beurteilung scheitern wie 50 Jahre später beim Bartsch-Prozeß oder den Lenbach-Morden.
Warte, warte nur ein Weilchen, dann kommt Haarmann auch zu Dir...
- 1925 Paragraph 267 des Amtlichen Entwurfs eines Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuches "Unzucht zwischen Männern". Eine Denkschrift, gerichtet an das Reichsjustizministerium von 1925. Herausgegeben von der Abteilung für Sexualreform (Wissenschaftlich-humanitäres Komitee) am Institut für Sexualwissenschaft zu Berlin.
Enthält die Petition des WhK und "Christentum und Homosexualität".
- 1926 André Gide (1869 - 1951) schildert in „Stirb und werde” seine ersten mann-männlichen Erlebnisse.
- 1928 Jean Cocteau
„Das Weißbuch” erscheint anonym in einer Auflage von 21 Exemplaren, 1930 erneut anonym mit Cocteaus Zeichnungen .
- 1931 der Nazi-Führer Ernst Röhm wird in der linken Presse als Homosexueller entlarvt
- 1933 27.02. Reichstagsbrand. Marinus van der Lubbe -auch von den Gegnern des Regimes als homosexueller Strichjunge diffamiert- wird hingerichtet.
- 1933 06. Mai 1933 Zerstörung des Instituts für Sexualwissenschaften durch die Deutschen Studentenschaften und Nazischergen
10. Mai 1933 Bücherverbrennung in Berlin. Hirschfeld sieht die Bilder in Paris in der Kino-Wochenschau.
08. Juni Auflösung des WhK
- 1933 Magnus Hirschfeld (14. Mai 1868 Kolberg - 14. Mai 1935 Nizza)
Die Weltreise eines Sexualforschers
erscheint in der Schweiz.
- 1863 Der Dichter Konstantin Kavafis (29.04.1863 - 29.04.1933) stirbt
- 1934 30.06. sogenannter
Röhm-Putsch
24.10. alle Kriminalpolizeistellen werden zur systematischen, listenmäßigen zentralen Erfassung von Schwulen aufgefordert
- 1935 Magnus Hirschfeld
14. Mai 1868 Kolberg (Kolobrzeg)- 14. Mai 1935 Nizza
Racism
- 1935 01.09.Neufassung des § 175 (durch die Nationalsozialisten am 28.06.1935 beschlossen)
- 1935 15.09.Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre
- 1936 14. Februar: Robert Oelbermann und etwa 100 weitere Mitglieder des (aufgelösten) “Nerother Wandervogel” werden verhaftet. In den Nerother Prozessen vor dem Landgericht Düsseldorf dienen sie als Beleg für die “homosexuelle Verseuchung” der gesamten bündischen Jugend. Nach der Entlassung aus der Strafhaft wird er in Sachsenhausen und Dachau in “Sicherungsverwahrung” genommen. Er wird zu Tode gefoltert.
- 1936 Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung
- 1942 "Rolf" Hans Meier (16.03.1897 St. Gallen - 29.03.1974 Zürich) übernimmt von "Mammina" Anna Vock die Herausgabe der bereits
1919 (!) als "Freundschaftsbanner" gegründeten, mittlerweile unter "Menschenrecht. Blätter zur Aufklärung gegen Ächtung und Vorurteil" erscheinenden schweizerischen Zeitschrift, welche von
1943 an bis zur Einstellung 1967 unter dem neutralen Namen "Der Kreis - Le Cercle" erschien und trotz der immer kleinen Auflage (maximal 2000 Exemplare) für "interessierte Kreise" für lange Zeit eine kaum zu überschätzende Informationsquelle und stabile organisatorische Institution darstellte.
- 1944 Roger Peyrefitte
„Heimliche Freundschaften” („Les Amities particulières”, 1944)
„Die Schlüssel von St. Peter” (1955)
- 1945 06.08 06.08. Vom Flugzeug »Enola Gay« aus wirft die amerikanische Luftwaffe über der japanischen Stadt Hiroshima die erste Atombombe (»Little Boy«) ab. Dabei sterben etwa 110 000 Menschen, an den Spätfolgen sterben bis heute jährlich weitere Opfer.
- 1946 der Niederländers Niek Engelschman (1913-1988) gründete direkt nach seinem Besuch des Kreis-Sommerfestes in Zürich im Juli 1946 mit anderen den Shakespeare-Club in Amsterdam, der sich 1949 in Cultuur- en Ontspannings Centrum (COC) umbenannt.
- 1947 Rudolf Klimmer (17.05.1905 Dresden - 26.07.1977 Wuppertal)
Nach Verurteilungen wegen “widernatürlicher Unzucht” im Dritten Reich setzte er sich als SED-Mitglied in zahllosen Eingaben(u.a. an die SED-Organe), Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, Stellungnahmen und Gutachten und einer umfangreichen Korrespondenz ab etwa
1947 für eine Reform des Paragraphen 175 ein, die er 1952 in einer Eingabe an den Rechtsausschuß der Volkskammer der DDR wiederholte. Klimmer veröffentlichte mehrere Beiträge im Kreis und bekam die Zeitschrift im Gegenzug kostenlos zugesandt. Dies wurde vom Amt für Zoll und Kontrolle des Warenverkehrs der DDR unterbunden, das in seiner Stellungnahme zu Klimmers Beschwerden über Beschlagnahmungen den Kreis als Propagandaschrift bezeichnete, die nicht für wissenschaftliche Zwecke geeignet sei. Unter Umgehung direkter Postsendungen aus Zürich konnte Klimmer weiterhin informiert werden. Mitglieder der Kameradschaft die runde sandten ihm Exzerpte der wissenschaftlichen Beiträge. Sein Buch
„Die Homosexualität als biologisch-soziologische Zeitfrage” erschien ab 1958 im Hamburger Verlag Kriminalistik, eine Publikation in der DDR war gescheitert.
- 1948 Alfred Charles Kinsey (23. Juni 1894 Hoboken/US-Staat New Yersey - 25. August 1956 Bloomington/US-Staat Indiana)
Die Universität hatte ihn 1936 gebeten, Eheberatungskurse für ihre Studenten zu halten. Dem auf Wespen spezialisierter Zoologie-Professor fehlten jedoch empirische Grundlagen. Er startete mit seinem kleinen Stab Interessierter systematische Befragungen. Im Verlaufe von 15 Jahren befragten sie fast 20 000 Amerikanerinnen und Amerikaner verschiedenster Alterstufen, unterschiedlichster Berufe, aller sozialen Schichten, Bildungsgruppen und religiösen Orientierung zu ihrem geschlechtlichen Verhalten. Für den wissenschaftlichen Unterbau und die statistische Auswertung der Interviews gründete Kinsey 1942 in Bloomington
das -später nach ihm benannte-
Institut für Sexualforschung. Die beiden unter der Kurzbezeichnung "Kinsey-Report" zunächst berüchtigt, dann bekannt gewordenen Werke erscheinen auf diese Umfrageergebnisse gestützt:
1948 erschien unter dem Titel “Sexual Behavior in the Human Male” (“Das sexuelle Verhalten des Mannes”). Innerhalb von 14 Tagen verkauften sich über 180.000 Exemplare. Auszüge veröffentlichte u.a. die Zeitschrift “Der Kreis” im Jahre 1949. Das Institut gehörte zu den Beziehern des Kreises.
1953 dann “Sexual Behavior in the Human Female” (“Das sexuelle Verhalten der Frau”).
Die ermittelten Daten und die statistischen Auswertungen lösten in der Öffentlichkeit eine Welle der Entrüstung aus, denn sie wurden als Attacke auf die Moralvorstellungen der westlichen Kultur empfunden. Der "Kinsey-Report" belegte statistisch die große Vielfalt sexueller Wünsche bei Männern, Frauen und Jugendlichen, lieferte Zahlenkolonnen zu Homosexualität und Onanie, oralen und analen Formen der Triebbefriedigung, Bordellbesuchen und Ejakulationen, Orgasmus und Frigidität, Sexualität in Kindheit und Alter. Die nicht nur in der Kirche als moralisch verwerflich geltenden Verhaltensweisen waren plötzlich allgemein verbreitet, unglaublich waren auch die Ergebnisse über die große Verbreitung des vorehelichen Geschlechtsverkehrs.
- 1948 Dänemark: Das Freundespaar Eigil Eskildsen (1922-1995) und Axel Lundahl Madsen (geb. 1915) (Pseudonym Axgil) gründen die erste skandinavische Homosexuellengruppe “Kredsen af 1948” -Namen nach dem schweizerischen “Kreis”-, daraus wurde aber bald der “Forbundet af 1948”.
- 1949 21.05. Klaus Mann (1906 - 1949) stirbt in Cannes an einer Überdosis Schlaftabletten.
- 1949 Frankfurt: Der Neugründung des WhK wird die Eintragung in das Vereinsregister verwehrt.
Hans Giese (26.06.1920 - 23.07.1970) gründet das Institut für Sexualforschung und die Zeitschrift für Sexualforschung. Das Institut, in dessen (also in eigenem Auftrag, *g*) Namen er seine erste empirische Untersuchung über das Sexualverhalten homosexueller Männer initiierte, führt in der Folgezeit diverse Arbeitstagungen durch. Den dafür ausgearbeiteten Fragebogen verschickte der Kreis im Januar 1954 als Beilage die deutschen Bezieher. Aus den Umfrageergebnissen ging Gieses 1958 erschienene Studie mit hervor.
- 1950 Frankfurt mehrere hundert Ermittlungsverfahren, über 100 Verhaftungen, einige Selbstmorde
- 1950 1. November Eingabe des Instituts für Sexualforschung/Hans Giese an die Gesetzgebenden Organe: Straffreiheit für einvernehmlich handelnde Erwachsene wird gefordert.
- 1950/51 Los Angeles eine ab Frühjahr 1951 als Mattachine Society auftretende Gruppe bildet sich um Harry Hay
- 1951 Internaional Committee for Sexual Equality (ICSE): wissenschaftlicher Kongress in Amsterdam
- 1951 Wolfgang Koeppen (23.06.1906 Greifswald - 15.03.1996 München)
„Tauben im Gras” (1951) erscheint
„Das Treibhaus” (1953)
„Tod in Rom” (1954)
- 1951 Rolf Italiaander (23.02.1913 Leipzig - 03.09.1991 Hamburg)
Mitbegründer (zusammen mit Hans Henny Jahnn) der Freien Akademie der Künste in Hamburg; Liebhaber des schwarzafrikanischen Kulturbereichs.
„Das Recht auf sich selbst” (1951, das erste Theaterstück nach Kriegsende “zum Thema” (1952 von Ida Ehre in Hasmburg uraufgeführt. Bezieht sich auch auf die Frankfurter Verfolgungen von 1950/51.).
„Weder Krankheit noch Verbrechen” (1968, Sammlung engagierter Stellungnahmen Prominenter gegen § 175)
- 1951 Landgericht Hamburg: Verurteilung wegen Verstoß gegen § 175 StGB zu einer Geldstrafe von 3 DM - deutlicher kann ein beamteter Richter den Gesetzgeber zu dieser Zeit nicht kritisieren.
- 1952 ONE, Incorporated, in Los Angeles gegründet. Diese Schwulenorganisation gibt ab 1953 das ONE-Magazine heraus.
zum 10-jährigen Bestehen von ONE schreibt der Herausgeber 1962:
“The cause for which all homophiles must live and for which some, at least, choose to fight, is far from won. It will not be won, no doubt, in our lifetime. There are agonizing moments when to struggle seems purposeless and hopeless, but we cannot give up. Progress is being made. Most of us, however, fail to find within the arena of our own personal experience the milestones by which to measure this progress, and so we are not aware of it.”
... “It was the opinion of legal counsel, however, that ONE could not publish fiction.”
... “On the advice of legal counsel, however, this story was rejected as being too daring for ONE simply because it portrayed, on an exalted and poetic level, physical and affectionate, though not necessarily sexual, contact between two men. Rejected by ONE Mr. Crane then submitted his manuscript to Der Kreis, where it was published in the English section of that magazine as "The New Butcher Boy."”
Zu Beginn enthielt das kleine Magazin aus rechtlichen Erwägungen keine literarischen Beiträge, wurde in eine lange juristische Auseinandersetzung mit der Post -die den Versand ablehnte- verwickelt, welche erst vom obersten Gericht entschieden wurde. Schon in den Anfangsjahren bestehen Kontakte und Anknüpfungspunkte zu europäischen Bemühungen.
- 1952 Internaional Committee for Sexual Equality (ICSE): wissenschaftlicher Kongress in Frankfurt/Main
- 1953 Internaional Committee for Sexual Equality (ICSE): wissenschaftlicher Kongress in Amsterdam
- 1953 Jean Genet (1910 - 1985)
„Querelle de Brest”
“Auf den ersten Blick, als Querelle die hemmungslose Zärtlichkeit sah, mit der ein hastiger Wimpernschlag über seinen Oberkörper und sein Gesicht streifte, begriff er seine Macht: von seinem Körper drangen blendende Strahlen durch die Augen bis hinunter zum Magen des Offiziers.”
“Norbert lastete schwer auf ihm. Ruhig drang er ein, bis zur Wurzel des Gliedes, so daß sein Bauch Querelles Hintern berührte. Mit beiden, plötzlich furchtbar und mächtig gewordenen Händen zog er Querelle an sich. Er schob sie unter des Matrosen Bauch. Die Wärme in Querelles Innern überraschte ihn. Mit großer Behutsamkeit drang er noch tiefer ein, er wollte seine Lust und seine Kraft ganz fühlen. Querelle wunderte sich, daß er so wenig litt. (...) Der erste Stoß war so stark, daß er ihn fast tötete. Querelle stöhnte, zuerst leise, dann stärker, bis er schließlich schamlos röchelte. Dieser hemmungslose Ausdruck seiner Lust bewies Norbert, daß der Matrose in gewissem Sinne kein Mann war, da er im Augenblick höchsten Genusses nicht die Zurückhaltung und Scham des männlichen Mannes bewahrte.”
- 1953 Das Gesetzes zum Schutz der Jugend beendet den kleinen Boom deutscher Homosexuellenzeitschriften der Nachkriegszeit. Der Kreis bleibt das Forum für deutsche Themen und setzte sich für den Aufbau einer deutschen Homosexuellenbewegung ein.
- 1954 Paris: Die Zeitschrift Arcadie (Herausgeber ist der ehemalige katholische Priester André Baudry) erscheint nach dem Vorbild der schweizer Zeitschrift “Der Kreis”. Zugleich wird der gleichnamigen Klub gegründete, Autoren an den Kreis vermittelte und die Werken französischer Autoren wie Roger Peyrefitte und Jean Genet -die in der Zeitschrift kontrovers besprochen wurden- damit in den interessierten Kreisen des In- und Auslands bekannt gemacht.
- 1954
Alan Turing einer Cyanidvergiftung erlegen (23.06.1912- 07.06.1954).
Der geniale britische Mathematiker (1936 erschien das Grundlagewerk des späteren Computerzeitalters „On Computable Numbers...”) hatte in den Jahren 1939-42 den Enigma-Geheimcode der Deutschen Wehrmacht entschlüsselt und damit einen entscheidenden Beitrag zum Kriegsverlauf geleistet. 1952 wird er aufgrund seiner Homosexualität verhaftet und verurteilt (1-jährige triebdämpfende Hormonbehandlung als Alternative zu Gefängnis), verliert damit seine Einstufung als Geheimnisträger. Im Gerichtsverfahren trat er offensiv offen auf.
- 1955 Internaional Committee for Sexual Equality (ICSE): wissenschaftlicher Kongress in Paris
- 1956 James Baldwin (1924 - 1987)
„Giovannis Zimmer” erscheint
- 1957 Veidt Harlan „Anders als du und ich (§ 175)” kommt ins Kino
- 10.05.1957 Bundesverfassungsgericht
Die Verfassungsbeschwerde des Oskar K. ist durch seinen Tod erledigt
1. Die Strafvorschriften gegen die männliche Homosexualität (§§ 175 f. StGB) verstoßen nicht gegen den speziellen Gleichheitssatz der Abs. 2 und 3 des Art. 3 GG, weil der biologische Geschlechtsunterschied den Sachverhalt hier so entscheidend prägt, daß etwa vergleichbare Elemente daneben vollkommen zurücktreten.
2. Die §§ 175 f. StGB verstoßen auch nicht gegen das Grundrecht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 Abs. 1 GG), da homosexuelle Betätigung gegen das Sittengesetz verstößt und nicht eindeutig festgestellt werden kann, daß jedes öffentliche Interesse an ihrer Bestrafung fehlt.
- 1958 Internaional Committee for Sexual Equality (ICSE): wissenschaftlicher Kongress in Brüssel
- 1958 Hans Giese publiziert “Der homosexuelle Mann in der Welt”. Da er sich in Frankfurt nicht habilitieren kann verlegt er sein Institut nach Hamburg. Eines der Ergebnisse (homosexuelle Männer seien entgegen der gesellschaftlichen Meinung zu langjährigen Partnerschaften fähig) wird vom Kreis und anderen Gruppen begeistert aufgenommen.
- 1958 USA Der Supreme Court entscheidet, daß das ONE-Magazine nicht obszön sei. Damit darf es postalisch verschickt werden (war seit 1954 untersagt).
- 1962 Joseph Breitbach (20.09.1902 Koblenz - 09.05.1980 München)
„Der Schuß im Tiergarten” (1930)
„Die Wandlung der Susanne Dasseldorf” (1933)
„Bericht über Bruno” (1962)
„Das blaue Bidet” (1978)
- 1965 21. Mai Demonstration der Mattachine Society vor dem Weißen Haus in Washington (im Kostüm bzw. Anzug mit Schlips)
- 1966 21.06. Jürgen Bartsch verhaftet (nach 4 Morden seit 1962)
- 1966/7 erscheinen zahlreiche Publikationen in Zeitschriften und Illustrierten(Zeit, Frankfurter Hefte, Konkret, Spiegel, Quick, Twen, Der Landarzt, Wehrmedizinische Monatsschrift, Die evangelische Ethik,...), einige wichtige Taschenbücher fanden weite Verbreitung:
"Plädoyer für die Abschaffung des § 175" erscheint im Suhrkamp-Verlag ("das grüne Bändchen")
"Homosexualität oder Politik mit dem §175" erscheint im Rowohlt-Verlag
"Das große Tabu" erscheint im Verlag Rütten & Loening
- 1967 09. August: John (“Joe”) Orton wird von seinem langjährigen Partner Kenneth Halliwell erschlagen. Halliwell vergiftet sich.
- 1968 Oscar Wilde Memorial Bookstore/New York eröffnet, der erste explizit schwule Buchladen der Nachkriegszeit.
- 1968 Rolf Italiaander: „Weder Krankheit noch Verbrechen” (Eine Sammlung engagierter Stellungnahmen Prominenter gegen § 175.)
- 1968 USA: Ab jetzt dürfen Zeitschriften, welche einen nackten Mann frontal zeigen, mit der Post verschickt werden. Ein wesentlicher Punkt zur Stilbildung der Abbildungen entfällt damit.
- 1969 Eingliederung des Instituts für Sexualforschung in die Hamburger Universität
- 1969 "Weder Krankheit noch Verbrechen. Plädoyer für eine Minderheit." mit Rolf Italiaander als Herausgeber erscheint im Hamburger Gala-Verlag.
Italiaander ist der Author des 1952 von Ida Ehre uraufgeführten Theaterstücks "das Recht auf sich selbst"
- 1969 20.01.
Soldatenmorde von Lebach
Vier Soldaten werden im Wachhäschen des Bundeswehr-Munitionsdepots Lebach im Schlaf erschossen.
Die drei jungen Kleinstadtmörder strebten die Gründung einer Lebensgemeinschaft
außerhalb der von ihnen abgelehnten Gesellschaft an.
Mit Hilfe der bei dem überfall erbeuteten Waffen wollten sie sich durch
weitere Straftaten die Mittel zur Verwirklichung des erträumten Lebens auf
einer Hochseeyacht in der Südsee verschaffen.
Die Tat der jungen Männer richtete sich gegen eine Gesellschaft,
von der sie sich als Homosexuelle diskriminiert fühlten.
Ihre Verhaftung (25. April 1969) erfolgte aufgrund eines Hinweises der Prominenten-Wahrsagerin Buchela (“Pythia vom Rhein”). Die Ermittlungen leitete Oberstaatsanwalt Siegfried Buback. Die Gerichtsverhandlung vor dem Schwurgerichte Saarbrücken fand wegen des großen Publikumsinteresses in die Kongresshalle -dem größten Saal der Stadt- statt.
- 1969 Ende Juni. Polizeirazzia in der Bar “Stonewall Inn” in New York.
Erstmals wehren sich die Schwulen, Lesben und Transen handgreiflich. Die Schwestern erfahren in den Straßenschlachten die Durchschlagskraft eines Pfennigabsatzes als Durchbruch ihres Selbstbewußtseins. Die Bar wurde später abgerissen, unter gleichem Namen gibt es heute im Nachbargebäude wieder "den" Stonewall Inn. Auf dem kleinen Platz davor wurde ein Mahnmal für Schwule und Lesben errichtet. Diese Selbstermächtigung ist der geschichtliche Ankerpunkt für die mittlerweile weltweit begangene "Gay-Pride-Parade".
- 1969 Vulkan-Lust. Die Sauna “Vulcan” heiztt als erste Schwulensauna Deutschlands den Schwestern in Hannover ein.
- 1970 in New York gründet sich die Gay Liberation Front GLF
- 1970 Köln: Der Regierungspräsident Mohnen erlaubt offiziell, daß in Lokalen Männer mit Männern tanzen dürfen.
- 1971 2. Bartsch-Prozeß vor der Jugendkammer des Düsseldorfer Landgerichts. Es werden weitere Gutachten vorgelegt. Der Prozeß endet mit einem wesentlich geringeren Strafmaß. Bartsch wird zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt und später in der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalt Eickelborn untergebracht. Bei der Kastrations-Operation 1976 im Landeskrankenhaus Eickelborn bricht sein Kreislauf zusammen, Bartsch ist asufgrund einer falschen Dosierung des Narkosemittels “Halothan” tot.
- 1971 Juli Rosa von Praunheims Film “Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt” uraufgeführt bei den Berliner Filmfestspielen
Rosa und Martin Dannecker tingeln mit dem Film durch die Lande, Schwulengruppen “Homosexuelle Aktion Westberlin” (HAW), “Rote Zelle Schwul” (ROTZSCHWUL) (Frankfurt) und “Gay Liberation Front” (GlF Köln) bilden sich.
Gründung der seriösen Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS) durch den offen schwul auftretenden Rolf Gindorf.
- 1971 10.Dezember ZDF: Der Beitrag "Wenn Ihr Sohn so wäre?" wird gesendet.
- 1972 Münster “Brüder und Schwestern, warm oder nicht, Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht!” Rainer Plain, Martin Dannecker &&& ... kommen “Raus aus den Löchern” und demonstrieren in Münster
- 1972 Leben gegen die Zeit -
Kurt Hiller (1885 - 1972)
- 1972 15. September: Das Todesurteil gegen den 20-jährigen Kurt Hagedorn wird in Leipzig gemäß der Geheimen Verschlusssache 02014 durch einen “unerwarteten Nahschuss” vollstreckt. Der Verteidiger hatte vergeblich auf die Jugendlichkeit und verminderte Straffähigkeit seines Mandanten hingewiesen.
1969 und 1971 hatte er mehrere Jungen grausam getötet, der (DDR-)Chef-Psychologe entdeckte Parallelen zu dem so genannten Kirmesmörder Jürgen Bartsch, der im Westen wenige Jahre zuvor vier Knaben zu Tode gefoltert hatte. Über die Stasi wurden die Ermittler umgehend mit dem entsprechenden "Kirmesmord"-Material versehen.
- 1972 New York: Gründung der "Organisation National Gay and Lesbian Task Force", die gegen die Unterdrückung und Diskriminierung von Schwulen vorgehen will. Sie ist mit 32 000 Mitgliedern die größte Homosexuellenorganisation der USA.
- 1973 15.Januar: Das ARD-Fernsehen zeigt »Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt« (Regie: Rosa von Praunheim). Der BR verweigert die Ausstrahlung des Films.
Rosa von Praunheims Film von 1971 wird nach der Erstsendung durch WDR3 im Januar 1972(die von der ARD geplante Ausstrahlung zu diesem Termin war kurzfristig abgesagt worden) und vorausgegangenen Kontroversen von allen ARD-Sendeanstalten außer dem Bayrischen Rundfunk ausgestrahlt.
- 1973 11.Januar Köln: Das Schöffengericht spricht die Inhaber eines Zeitschriftenvertriebs vom Vorwurf der "Verbreitung unzüchtiger Schriften" frei. Begründung: Die Darstellung nackter Männer in einem Homo-Magazin sei so wenig unzüchtig wie ansonsten die Darstellung nackter Frauen.
- 1973 DAH - Deutsche Aktionsgemeinschaft Homosexualität - Plakataktion “Weg mit § 175”
- 1973 29.März Münster: erste Schwulendemonstration in der Geschichte der BRD.
- 1973 Pfingstsamstag in Berlin: französische und italienische Schwule im Fummel aufmarschieren, entbrennt der Tuntenstreit: "Marsch der Lidschatten schreibt die Boulevard-Presse. Schaden Tunten dem Ansehen? Männer in Frauenkleidern, wie sieht denn das aus!?
Texte hierzu in "Tuntenstreit. Theoriediskussion der Homosexuellen Aktion Westberlin", erschienen im Verlag rosa Winkel/Berlin
- 1973 Das “Board of Directors of the American Psychiatric Association” streicht Homosexualität aus dem Krankheitskatalog (“Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders -DSM-".) Die Entscheidung wird 1974 von der Mitgliedsversammlung bestätigt.
- 1973 23.11. Viertes Gesetz zur Reform des Strafrechts: § 175
- 1975 Oktober Verlag rosa Winkel von Volker Bruhns und Peter Hedenström als dezidiert schwulenpolitischer Verlag gegründet, seit 1978 von Egmont Fassbinder geleitet.
- 1975 das Bewegungsblatt “Schwuchtel - Eine Zeitung der Schwulenbewegung” thematisiert Streitpunkte der Bewegung
- 1975 Hans Mayer “Außenseiter”
bahnbrechendes Leseerlebnis - für viele der erste seriöse Text zu Homosexualität und Politik in ihrem Leben
- 1975 Tennesee Williams (1911 - 1983). Seine Memoiren erscheinen.
“Und wer sind Sie, junger Mann? Ich schlafe mit Mr. Williams.”
- 1975 01./02. November: Pier Paolo Pasolini wird in Ostia von dem 17-jährigen Strichjungen Pino Pelosi ermordet.
- 1975 1975 lehnte das Oberverwaltungsgericht Münster die Klage einer Aachener Schwulengruppe ab, die an einem Samstag in der Aachener Innenstadt für zwei Stunden einen Informationsstand aufbauen, ein Flugblatt verteilen und mit den Passanten diskutieren wollte. Die Stadt hatte dies verboten, und die Schwulengruppe zog unter Hinweis auf die in Artikel 5 GG verbriefte Meinungsäußerungsfreiheit vor Gericht. Die Richter wiesen das Ansinnen der Schwulen zurück mit dem Argument, Artikel 5 finde seine Schranken durch die Verpflichtung der Behörden, "Gefahren abzuwenden, durch die die öffentliche Sicherheit bedroht wird". Diese Gefahr sah das Gericht gegeben. Die Stadtverwaltung sei verpflichtet, einen Informationsstand Homosexueller zu verbieten, um die "Wahrung der guten Sitten und des öffentlichen Anstands"[14] zu gewährleisten. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte 1976 diese Auffassung. Die Argumentation: Der Staat könne durchaus "Angelegenheiten der Intimsphäre aus dem öffentlichen Bereich verweisen. ... Denn niemand hat das Recht, seinen Mitbürgern Angelegenheiten seines Intimbereichs aufzudrängen. So können insbesondere von der Norm abweichende Verhaltensweisen und Meinungsäußerungen darüber schutzwürdige Belange der Allgemeinheit beeinträchtigen, wenn sie nach außen ... in Erscheinung treten und dadurch andere Personen, die hiervon unbehelligt bleiben wollen, in aufdringlicher oder anreißerischer Weise belästigt ... werden." Noch 1982 lehnte die Stadt Bochum mit Hinweis auf dieses Urteil den Antrag der Schwulenberatungs-Initiative 'Rosa Strippe' ab, über ihre Arbeit in der Fußgängerzone in der Innenstadt zu informieren.
- 1976
Bernd Clüver: "
Mike und sein Freund". Der Song wird je nach Öffentlichkeit sehr unterschiedlich aufgenommen und sorgt für Häme.
- 1977 Schwulencafé “Anderes Ufer” in Berlin von Bewegungsschwestern aus dem Herausgeber-Kreis um die Zeitschrift “Schwuchtel” gegründet. Erstmals ein Schwulentreff, in den man von außen durch die Schaufenster hineinsehen kann. In Frankfurt unter gleichem Namen und Sichtbarkeit das "Andere Ufer" als Treffpunkt von Schwulengruppen.
- 1977 7. Juni USA/Florida Dade County: Nach einer Vefügung gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben organisiert die Ex-Schönheitskönigin Anita Bryant den Widerstand unter der Parole "Save our Children". Es kommt zu jahrelangen heftigen Auseinandersetzungen, Antidiskriminierungsbestimmungen werden aufgehoben. Erst 1996 sorgt ein Urteil des Obersten Gerichtshofs für vorläufige Ruhe.
- 1977 Die Gruppe "Village People" wird nach Männerbildern der US-amerikanischen Schwulenszene designed gegründet. Die unausgesprochen explizit schwulen Songs und die Bühnenshow erlangt 1978 mit YMCA und Macho Man weltweiten Efrolg.
- 1977 Film "
Die Konsequenz" nach Alexander Ziegler`s Roman (1975).
Am 08. November 1977
blendete sich der Bayerische Rundfunk aus dem TV-Film "Die Konsequenz" aus.
- 1978 Tom Robinson: "Glad to be Gay" Der Song von 1976 erscheint auf der Single "Rising Free" und wird von der BBC nicht gesendet - die Platte landet in der engl. Hitparade.
- 1978 Oktober “Ich bin schwul” Aktion der Zeitschrift Stern mit Unterstützung vieler Schwulengruppen und Einzelpersonen (die sich mit Abbildung zu ihrer Homosexualität bekennen). Vorgänger für diese Medienkampagne war die Aktion "Ich habe abgetrieben".
- 1978 November Prinz-Eisenherz-Buchladen in Berlin von Bewegungsschwestern gegründet.
Peter Hedenström, Lothar Lang, Michael Keim, Christian von Maltzahn
- 1978 Gisela Bleibtreu-Ehrenberg “Tabu Homosexualität” erscheint (historische Arbeit zum Thema)
- 1978 Gilbert Baker (San Francisco) entwirft die Regenbogenflagge
(8 Streifen: pink, rot, orange, gelb, grün, blau, indigo und lila als Symbole für
Sexualität, das Leben, die Heilung, die Sonne, die Natur, die Kunst, die Harmonie und die Seele)
in Anlehnung an die 5 Streifen der "Flagge der Rassen".
Im Rahmen der Massenherstellung entfiel das grelle pink ("die Sexualität"),
die Flagge hat nur noch 7 Streifen.
- 1978 27.11.
Harvey Milk
(22.05.1930 - 27.11.1978) wird erschossen.
Das "Pride Parade Committee" teilt je 3 Farben der
Regenbogenflagge jeder Straßenseite des Demonstrationswegs zu,
indigoblau ("die Harmonie") entfällt.
Die Regenbogenfahne hat noch 6 Streifen. Jahre später wird teilweise als Hinweise auf die AIDS-Gefahr ein schwarzer Streifen hinzugefügt. Dieser soll bis zur Überwindung der Bedrohung durch Entdeckung und Verbreitung eines Heilmittels in der Fahne verbleiben.
Milk war der erste in den USA gewählte offen schwul auftretende Politiker. Zuletzt hatte er sich vehement gegen die Gesetzesinitiative "Proposition 6" eingesetzt. Mit dieser Gesetzesinitiative sollten in Kalifornien schwule LehrerInnen aus dem Dienst entfernt werden.
- 1979 1. März Berlin “Die politischen Parteien und die Homosexuellen” - Podiumsdiskussion der AHA Allgemeinen Homosexuellen Arbeitsgemeinschaft
- 1979
“HOMOLULU” in Frankfurt/Main. “Woodstock” der Schwulen. Das bis dato größte und bunteste und inhaltsreichste Schwulentreffen in Frankfurt zieht tagsüber die Bewegungsschwestern in die Arbeitsgruppen im Studentenhaus an der Uni, in der Nacht große Kulturprogramme im Festzelt am Stadtrand. Für die Dauer des in jeder Beziehung lustvollen Treffens erscheint eine schwule Tageszeitung, sind Reporter vieler Tageszeitungen (auch Bild) täglich vor Ort, die ARD-Tagesschau berichtet erstmals.
Aus der HOMOLULU-Resolution, die 1979 von den HOMOLULU-Demonstranten per Akklamation verabschiedet wurde:
1. Wir verlangen, daß mit der Benachteiligung der Unverheirateten endgültig schluß ist.
2. Wir fordern die Gleichstellung im Erb- und Steuerrecht
3. Die Darstellung der Hetero-Sexualität als einziger gesunder und wünschenswerter Form der Sexualität muß endlich ein Ende haben.
4. Wir verlangen Unterstützung für eigenständige Institutionen von Schwulenzentren, schwulen Beratungsstellen und schwulen Gesundheitsorganisationen.
5. Wir fordern das Recht der Schwulen, selbst in den öffentlichen Medien, Rundfunk und Fernsehen, arbeiten zu können. Wir fordern zwei Sitze im Rundfunkrat.
6. Selbstdarstellung der Schwulen im Sexualunterricht muß möglich gemacht werden.
7. Wir verlangen gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung in allen Bereichen.
8. Wir fordern Wiedergutmachung an den schwulen KZ-Opfern und völlige Rehabilitierung der Überlebenden.
9. Wir fordern die Streichung des § 175 StGB und aller flankierender Gesetze und Bestimmungen
10. Wir wollen nicht nur in Homolulu, sondern überall frei und offen schwul sein.
Homolulu Tageszeitungen Nr.
1 2 3 4 5/6 ,
Stefan Reiß berichtet.
- 1980 Juli HH: in Klappen werden Einwegspiegel von Bewegungsschwestern zerschlagen. Aus den Räumen dahinter registrieren Polizisten Schwule beim Kontaktknüpfen - mit entsprechenden Folgen. Es gab sogar ein spezielles Formular für das "Klappenhausverbot".
- 1980 12. Juli Bonn Beethovenhalle: Parteien auf dem Prüfstand - Schwule befragen Politiker. Die schon im Vorfeld kontrovers diskutierte Veranstaltung wird nach turbulenten Störungen abgebrochen, große Teile der traditionellen (unangepasst militanten) Schwulen- und Pädobewegung fühlen sich von der neuen Bürgerlichkeit außgegrenzt.
- 1981 SchwIPs - Schwule Initiative gegen den Paragraphensumpf entsteht aus einer Tagung in Großenkneten bei Oldenburg.
- 1981 April Göttingen: Freies Tagungshaus
Waldschlösschen eröffnet
- 1981 Straßburg Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte “Dudgeon-Case”
...a ban on homosexual activities contradicts with stipulations in the European Convention on Human Rights by violating the right to privacy (Article 8).
Gerichtsverfahren Jeff Dudgeon (Northern Ireland Gay Rights Associationvon), einer der
ILGA-Mitbegründer.
- 1981 USA: GRID (Gay-Related Immune Deficiency) wird als Krankheitsbild erkannt und als eine Schwulenseuche aufgefasst. Da auch heterophiele Personen erkranken erfolgt 1982 die Umbenennung in AIDS.
- 1982 Die ersten Gay Games finden in San Francisco statt. 1300 schwule und lesbische Sportler nehmen an den Spielen, die wie die olympischen Spile alle vier Jahre stattfinden sollen, teil. Die Bezeichnung "Gay Olympics" darf nicht benutzt werden.
- 1982 Gründung der "Triviatas", des ersten schwulen Männerchors in Köln.
- 1982 2.Oktober Köln: Eröffnung des schwulen Buchladens "Lavendelschwert" in der Bayardgasse.
- 1983 Juni Der Spiegel: “Tödliche Seuche AIDS - Die rätselhafte Krankheite” - die Bezeichnung “Schwulenpest” wird Allgemeingut.
Die Resourcen der Schwulenbewegung teilen sich zwischen AIDS-Aufklärung und -Solidarität, medizinischer und schwulenpolitischer Arbeit.
DAH - Deutsche Aids Hilfe (Abkürzung in Anlehnung an DAH 1973: Deutsche Aktionsgemeinschaft Homosexualität) gegründet. "Blasen ja – raus bevor es kommt" – "Bumsen nur mit Gummi" – diese Slogans stehen auf zulasten des Bundesetats gedruckten Plakaten. Die Präventionsmacher dürfen sogar um Anerkennung für Promiskuität an schmutzigen Orten werben.
- 1983 Kießling-Wörner-Affäre. Der Verteidigungsminister Wörner untersucht persönlich, ob der Bundeswehrgeneral Kießling Soldaten beim Duschen beaufsichtigt hat. Hat Kießling eine Stricherkneipe besucht - oder war es der Doppelgänger? Kießling wird entlassen und rehabilitiert, alles war Kölner Szenentratsch und Personenverwechslung. Die Rolle der amerik. Nato-Verbündeten wird nicht wirklich klar.
- 1984 Fritz Morgenthaler (19.07.1919 Oberhofen/Kanton Bern - 26.10.1984 Addis Abeba)
„Homosexualität, Heterosexualität, Perversion” (im Gegensatz zur traditionellen psychoanalytischen Schule stehende Schrift des Ethnopsychoanalytikers)
- 1984 Europäisches Parlament: Resolution on Sexual Discrimination at the workplace
- 1984 Bundesgerichtshof: Das Zusammenleben zweier Menschen gleichen Geschlechts in einer äeheähnlichen Gemeinschaft” gilt nicht mehr als sittlich anstößig .
- 1984 Peter Schult (17.06.1928 Berlin - 25.04.1984 München)
“O ihr gefallenen Engel, ich liebe euch...”
- 1985
Stefan Reiß zieht als erster offen schwul lebender Abgeordneter als parteiloser für die Alternative Liste (AL) in das Berliner Abgeordnetenhaus ein.
Vorangegangen waren die vielfältigsten Aktivitäten, Hannchen Emma-Grund war beim Russel-Tribunal und der NARGS ebenso engagiert wie bei
“Homolulu in Frankfurt, SchwIPs, AHA, DAH - und privat.
- 1985 Herbert Rusche/Grüne zieht als offen schwul lebender Abgeordneter in den Bundestag.
- 1985 8.Mai: Ansprache von Bundespräsident von Weizsäcker zum 40. Jahrestages der deutschen Kapitulation im Bundestag. Erstmals werden auch die Homosexuellen offiziell Opfer des Nationalsozialismus genannt.
- 1985 US-Präsident Reagan erwähnt AIDS zum ersten Mal in der Öffentlichkeit.
- 1986 Hubert Fichte (1935 - 1986)
“Strich kommt nicht vom Strich. Strich kommt vom streifen.”
„Die Palette” (1970), „Homosexualität und Literatur” (1987)
- 1986 Bundesverbands Homosexualität (BVH) in Köln gegründet
- 1986 Das
Schwule Museum wird in Berlin eröffnet.
- 1986 Gay Games II in San Francisco mit 3500 schwul-lesbischen SportlerInnen.
- 1988 14. Januar Landgericht Rottweil: das Wort “schwul” verstößt nicht gegen die guten Sitten.
Damit wird das Urteil des Amtsgerichts Freudenstadt hinfällig, das mit dieser Begründung die Klage gegen die Nichteintragung der “Schwulengruppe Freudenstadt” abgelehnt hatte.
- 1988 1. Juli Bundestagspräsident
Jenninger/CDU
teilt mit, daß er den Antrag der Abgeordneten Oesterle-Schwerin/Die Grünen zum Thema “Beeinträchtigung der Menschen- und Bürgerrechte von Schwulen und Lesben durch die 'Clause 28' in Großbritannien” nur in “etwas geänderter Fassung zulassen kann. In der Überschrift muß die Wendung Schwule und Lesben ... durch die Wendung Homosexuellen und Lesbierinnen ersetzt werden.”
11. November Deutscher Bundestag: Das Telefon des Schwulenreferats der Fraktion der Grünen wird auf Betreiben der CDU/CSU von der Bundestagsverwaltung abgeschaltet.
21. November Bundestagspräsidentin Renger (die Abgeordnete Oesterle-Schwerin hatte als Kompromiß vorgeschlagen: “Beeinträchtigung der Menschen- und Bürgerrechte von homosexuellen Menschen durch die 'Clause 28' in Großbritannien sowie vergleichbare Angriffe auf die Emanzipationsbestrebungen der 'Schwulen-' und 'Lesbenbewegung' in Bayern”)
...“kann ich auch den hilfsweise vorgeschlagenen Betreff nicht zulassen. Die Begriffe 'Schwulen-' und 'Lesbenbewegung' mögen zwar inzwischen von der Umgangs- in die Hochsprache übergegangen sein, sie können aber trotzdem nicht von allen Mitgliedern des Hauses akzeptiert werden.”...
- 1988 ARD-Soap-Serie Lindenstraße: Georg Uecker wird in der Lindenstraße der erste schwule Serienstar.
- 1988 Das israelische Parlament verabschiedet ein Antidiskriminierungsgesetz für Homosexuelle.
- 1989 9. März “International Congress of the International Society of Prenatal and Perinatal Psychology and Medicine in Jerusalem”
Auf Vorschlag von Prof. Dr. Günter Dörner wird eine Empfehlung an die WHO verabschiedet
„Homosexuality per se is neither regarded as a disease nor as a mental disorder”.
- 1989 01. Oktober: Dänemark öffnet als erstes Land der Welt die Standesämter für gleichgeschlechtliche Paare. Sie können eine Eingetragene Partnerschaft eingehen, die nahezu alle Rechte und Pflichten der Ehe umfasst.
Mit bei den ersten 10 Hochzeitern und -innen sind Axel (74) & Eigil (67) Axgil, die 1957 -nach einer Haftstrafe in Zusammenhang mit ihren schwulenpolitischen Aktivitäten- einen gemeinsamen Familiennamen angenommen hatten. Diese Möglichkeit des gemeinsamen Namens war damals bald darauf abgeschafft worden und wurde mit der Einführung der Schwulenehe erneut möglich.
Axel gehörte am 23. Juni 1948 zu den Gründern der dänischen Schwulen- und Lesbengruppe F-48 und 1954 zu denen der IHWO "International Homophile Welt Organisation / International Homosexual World Organization" (1954-1970).
- 1989 Berlin: Dieter Telge (Mitgründer des Hamburger Buchladens Männerschwarm, jetzt Abgeordneter der Alternativen Liste) betritt das Abgeordnetenhaus im Fummel und stets mit passendem Handtäschchen. Senatorin für Frauen, Jugend und Familie wird Anne Klein – eine offene Lesbe. Albert Eckert wird Deutschlands erster offen schwuler Parlamentsvizepräsident (bis zu seinem Rücktritt).
Immer stärker die Einbindung in die offiziellen Institutionen - immer erneut der Kampf um Identität ohne Preisgabe und Ausgrenzung anderer.
Stefan Etgeton: "In einer auf bloß schwule Gleichstellung reduzierten Debatte vollzieht sich auch die Ablösung aus dem Kontext der Ausgestoßenen und Perversen, die Tilgung des letzten subversiven Restes an der Homosexualität."
- 1990 Gay Games III in Vancouver mit 7500 schwul-lesbischen SportlerInnen.
- 1991 4. Juni Deutscher Bundestag: “Das Parlament erweitert seinen Sprachschatz”
Die Begriffe “Lesbe” und “Schwule” dürfen ab sofort in den Überschriften von Bundestagsdrucksachen verwendet werden.
- 1991 September: verfolgte Homosexuelle werden in die Arbeit von Amnesty International eingeschlossen
"Amnesty International's World Conference officially decided to recognize people imprisoned because of their sexual orientation as prisoners of conscience."
- 1991 WHO - Weltgesundheitsorganisation: Homosexualität wird aus der „Internationalen Liste für Krankheiten“ gestrichen
[The World Health Organization -WHO- deleted homosexuality as an illness in the International Classification of Diseases -ICD-(chapter V, code 302). This decision did not come into force before January 1993 (lCD-10-version). Homosexuality was included in the International Statistical Classification of Diseases, Injuries, and Causes of Death from the Sixth Revision adopted in 1948 until the Ninth Revision which was adopted in 1975.]
- 1992 19. August „Aktion Standesamt”: Neben Hella von Sinnen & Cornelia Scheel und andere schwule und lesbische Paare versuchen das Aufgebot zu bestellen.
- 1993 Norwegen führt als zweites Land die Eingetragene Partnerschaft nach dänischem Muster ein. In den nächsten Jahren folgen noch Schweden, Island und die Niederlande.
- 1993 Die
ILGA - International Lesbian and Gay Association werden von den USA aufgefordert “Pädophilie-Gruppen” auszuschließen, da die ILGA sonst den Beraterstatus bei der UN-Organisation für Wirtschaft und Soziales (EXOSOC) anfechten werde. Ein paar Gruppen werden im Juni 1984 ausgeschlossen, der BVH tritt aus Protest selbst aus. Der Beraterstatus wird der ILGA im Dezember 1994 dennoch entzogen, da sich der "Verein für sexuelle Gleichberechtigung" (VSG) nach wie vor mit Pädophilen solidarisiert. Der VSG tritt 1995 selbst aus und kritisiert die
ILGA: “Ein Schwulen- und Lesbenverband, der selbst eine Minderheit unter den Schwulen und Lesben diskriminiert, ist unglaubwürdig.”
- 1993 17. Juli Europäisches Parlament: “On Equal Treatment of Lesbians and Gay Men in the EC. Preliminary Draft Report.” by Mrs Claudia Roth on behalf of the Committee on Civil Liberties and Internal Affairs
- 1993 Oktober BVerfG Bundesverfassungsgericht: Die Geschlechterverschiedenheit gehört zu den prägenden Merkmalen einer Ehe, weswegen diese homosexuellen Paaren nicht geöffnet werden müsse. Es stellt fest, daß gleichgeschlechtliche Paare benachteiligt sind.
- 1994 Der „
Bericht zur Gleichbehandlung von Lesben und Schwulen in der EU”
wird verabschiedet (Claudia Roth, Die Grünen). Darin wird auch das Recht auf Eheschließung und auf Adoption gefordert. Die Bundestagsgruppe von Bündnis/Die Grünen bringt erstmals einen ausformulierten Gesetzentwurf zur Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare in den Bundestag ein.
- 1994 31.05. 29. Strafrechtsänderungsgesetz (gilt ab 11.06.1994): 175er? Gibt es nicht mehr! Gleiches Alter 16 Jahre.
- 1994
Volker Beck (Sprecher des SVD - Schwulenverbandes in Deutschland) als Bundestagsabgeordneter der Grünen im Bundestag (er war seit 1987 Schwulenreferent der grünen Bundestagsfraktion).
- 1994 Gay Games IV in New York mit 11000 schwul-lesbischen SportlerInnen - mehr aktive SportlerInnen als bei der offiziellen Olympiade in Barcelona.
- 1995 Neuer Gesetzentwurf im Bundestag: Unter der Federführung des Bundestagsabgeordneten Volker Beck legt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen dem Bundestag erneut einen aktualisierten Gesetzentwurf zur Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften vor.
- 1995 In Schweden können nun gleichgeschlechtliche Partnerschaften beglaubigt werden.
In Israel können sich homosexuelle Paare unter einem gemeinsamen Familiennamen eintragen.
- 1996 In einer Meinungsumfrage spricht sich die Mehrheit der Bundesbürger erstmals dafür aus, daß Homosexuellen der Weg zum Standesamt ermöglicht wird.
- 1996 In Island werden schwule und lesbische Partnerschaften anerkannt.
- 1997 14.Mai: Im Rechtsauschuss des Bundestages findet zum Gesetzentwurf der Grünen eine offizielle Sachverständigen-Anhörung zur rechtlichen Anerkennung schwuler und lesbischer Lebensgemeinschaften statt. Die Mehrheit der Sachverständigen sieht rechtlichen Regelungsbedarf.
- 1998 9. März: 133 Jahre nach den Forderungen von Karl-Heinrich Ulrichs und acht Jahre nach dem ersten Grünen-Vorstoß legt nun auch die SPD-Fraktion im Bundestag den Entwurf eines “Gleichbehandlungsgesetzes” vor. Darin wird eine Eingetragene Lebenspartnerschaft nach skandinavischem Vorbild gefordert: Mit Ausnahme der Adoption sollen alle Rechte und Pflichten der Ehe auf die Eingetragene Lebenspartnerschaft übertragen werden.
10. Juli: Der Bundesrat fordert die Bundesregierung in einer Entschließung auf, einen Gesetzentwurf vorzulegen, mit dem ein Rechtsinstitut “Eingetragene Partnerschaft” für Partnerinnen und Partner gleichen Geschlechts geschaffen wird. Das Rechtsinstitut “Eingetragene Partnerschaft” soll eine amtliche Eintragung der Lebensgemeinschaft sowie Rechte und Pflichten beinhalten, die denen von Eheleuten entsprechen.
27. September: Die Bundestagswahl führt zu einer rot-grüne Koalition. Die Einführung einer Eingetragenen Partnerschaft wird im Koalitionsvertrag auf Betreiben von Bündnis 90/Die Grünen vereinbart.
- 1998 In den Niederlanden werden homosexuelle Partnerschaften anerkannt.
- 1998 Gay Games V in Amsterdam mit 12000 schwul-lesbischen SportlerInnen.
- 1999 30. März: Aktion JA-Wort. Mit dem Aufruf “Gleich viel Recht für gleich viel Liebe” gibt der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) den Startschuss zur “Aktion JA-Wort”. Ziele sind die rechtliche Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare sowie die gesellschaftliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen.
06. Mai “Hamburger Ehe”: Hamburg öffnet die Standesämter für schwule und lesbische Paare. Auf Drängen der Hamburger Grünen (GAL) hatte die Bürgerschaft beschlossen, die “Hamburger Ehe” einzuführen. Rechte und Pflichten entstehen aus der Eintragung vorerst nicht, weil das in der Gesetzgebungskompetenz des Bundes liegt. Der Hamburger Vorstoß will daher auch ein Signal in Richtung Bundespolitik setzen. Am 6. Mai 1999 geben es sich die ersten Paare das Jawort. Im April 2000 kann Hamburgs Gleichstellungssenatorin Krista Sager (GAL/Grüne) bereits die hundertste Hamburger Ehe bekannt geben.
Dezember 1999: Es wird ein erster Vorentwurf eines Lebenspartnerschaftsgesetzes aus dem Justizministerium bekannt. Der Entwurf ruft große Enttäuschung hervor. Zentrale Bereiche sind noch nicht ausformuliert, wie etwa das Steuerrecht, das Ausländerrecht und das Sozialversicherungsrecht. In den bereits ausformulierten Teilen, vor allem im Familienrecht, sieht der Entwurf bei Rechten wie bei Pflichten erhebliche Abstriche vor. Bündnis 90/Die Grünen machen deutlich, dass sie diesen Entwurf nicht akzeptieren.
- 1999 17. November “PACS” In Frankreich tritt der Pacte civil de solidarité (Ziviler Solidaritätspakt - PACS) in Kraft.
Gleichgeschlechtliche und nicht eheliche Paare können einen Partnerschaftspakt schließen, der ihre Lebensgemeinschaft unter anderem im Steuerrecht, bei der Sozialversicherung, im Erbrecht und im Ausländerrecht anerkannt.
- 2000 04. März: Alphons
Silbermann (11.08. 1909 Köln -
04.03.2000
Köln).
Nestor der der deutschen Medien- und Musiksoziologie. Emigrierte 1934
über die Niederlande nach Frankreich und dann nach Australien.
Gemeinsam mit seinem Bruder Salomon baute er eine Kette von
Hamburger-Läden auf, die "Silver’s Food Bar". Als er hierdurch
materielle Unabhängigkeit erreicht hatte, wandte sich Alphons
Silbermann der Soziologie zu.
Bekannte sich in seinen 1989
erschienenen Memoiren ("Verwandlungen. Eine Autobiographie.") zu seiner
Homosexualität
und beschrieb sein schwules Leben in großer Offenheit.
- 2000 Lebenspartnerschaft
13. April Rechtsgutachten für Gleichberechtigung: Das renommierte Hamburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht veröffentlicht ein rechtsvergleichendes Gutachten zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. Die Rechtswissenschaftler empfehlen der Bundesregierung die Übernahme des skandinavischen Modells: Übertragung der Rechtsfolgen der Ehe im Paket auf die Eingetragene Partnerschaft.
23. Juni Nach sechsmonatigen Beratungen einigt sich die Koalitionsarbeitsgruppe Eingetragene Lebenspartnerschaft auf einen Gesetzestext.
04. Juli Beschlussfassung in den Fraktionen: Die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen beschließen jeweils einstimmig den von der Koalitionsarbeitsgruppe vorgelegten Gesetzentwurf. Tags darauf wird der Entwurf von den Fraktionsvorsitzenden Peter Struck und Kerstin Müller der Presse vorgestellt.
07. Juli Bundestagsdebatte: Der Bundestag debattiert in erster Lesung über den Gesetzentwurf und überweist ihn gemäß dem üblichen parlamentarischen Verfahren zur weiteren Fachberatung an die Ausschüsse.
19. September Anhörung im Rechtsausschuss: Der Rechtsausschuss des Bundestages führt eine öffentliche Expertenanhörung zum Lebenspartnerschaftsgesetz durch. Die weit überwiegende Mehrheit der Sachverständigen sieht keine verfassungsrechtlichen Bedenken.
10. November Beschluss des Bundestages: Der Bundestag beschließt in zweiter und dritter Lesung mit den Stimmen der Koalition das in zwei Pakete aufgeteilte Lebenspartnerschaftsgesetz. CDU/CSU und FDP stimmen dagegen. Die PDS enthält sich mehrheitlich der Stimme.
01. Dezember Beratung im Bundesrat: Das zustimmungsfreie Lebenspartnerschaftsgesetz passiert den Bundesrat. Das Ergänzungsgesetz zur Lebenspartnerschaft, das die zustimmungspflichtigen Regelungen umfasst, erhält im Bundesrat nicht die erforderliche absolute Mehrheit.
08. Dezember Anrufung des Vermittlungsausschusses: Der Bundestag beschließt, den Vermittlungsausschuss zum Ergänzungsgesetz zur Lebenspartnerschaft anzurufen.
Damit ist das Geset zur gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft vom Bundestag und Bundesrat verabschiedet, die CDU/CSU blockiert weiterhin den zustimmungspflichtigen Teil (infolge ihrer Mehrheit im Bundesrat) und klagt vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den verabschiedeten Gesetzesteil.
- 2000 England gleicht Mindestalter an (jetzt 16 Jahre).
19. Dezember: Die erste Kammer des niederländischen Parlaments stimmt der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu. Die zweite Kammer hatte das entsprechende Gesetz bereits im September 2000 mit großer Mehrheit verabschiedet.
- 2000 21.Juli:
Tony DeBlase (03.04.1942 South Bend, Indiana/USA - 21.07.2000 Portland, Oregon/USA),
in der Lederszene besser bekannt als "Fledermaus", Gründer der Zeitschrift
"DungeonMaster", zeitweilig Herausgeber des "Drummer".
Er hat eine umfangreiche
Zeittafel
erstellt, zu finden beim amerik.
Lederarchiv und Museum.
- 2001 Lebenspartnerschaft
07. Februar Vermittlungsausschuss beschließt Arbeitsgruppe: Der Vermittlungsausschuss beschließt, eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Ergänzungsgesetz einzusetzen, die Einigungsmöglichkeiten ausloten und für den Vermittlungsausschuss einen Beschlussvorschlag erarbeiten soll.
16. Februar Bundespräsident Rau unterzeichnet das Lebenspartnerschaftsgesetz.
22. Februar: Das Gesetz zur Eingetragenen Lebenspartnerschaft wird im Bundesgesetzblatt verkündet.
Mai/Juni: Die Länder Bayern, Sachsen und Thüringen ziehen gegen das Lebenspartnerschaftsgesetz vor das Bundesverfassungsgericht.
11. Juli: Das Bundesverfassungsgericht befasst sich in mündlicher Verhandlung mit den Anträgen Bayerns und Sachsens, das Lebenspartnerschaftsgesetz bis zur Entscheidung in der Hauptsache vorläufig auf Eis zu legen.
18. Juli: Das Bundesverfassungsgericht gibt grünes Licht für das Lebenspartnerschaftsgesetz. Die Anträge im vorläufigen Verfahren von Bayern und Sachsen werden abgelehnt. Das Gesetz kann wie geplant am 1. August in Kraft treten.
- 2001 01. April: In den Niederlanden tritt die im Dezember 2000 beschlossene Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in Kraft.
Homosexuelle Paare in Portugal erhalten mehr Rechte: Das neue Gesetz stellt homo- und heterosexuelle Paare in Steuer- , Erbschafts-, Mietrechts- und Ferienangelegenheiten gleich.
- 2001 Hans Mayer (19. März 1907 in Köln - 19.Mai 2001 Tübingen). In der 1975 erschienenen Untersuchung "Außenseiter" beschäftigte sich der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller mit der literarischen Darstellung dreier diskriminierter Gruppen unserer Gesellschaft: der Frauen, der männlichen Homosexuellen und der Juden.
- 2002 17.Juli
Bundesverfassungsgericht: Das Gesetz zur Beendigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften: Lebenspartnerschaften ist mit dem Grundgesetz vereinbar.
...
3. Die Einführung des Rechtsinstituts der eingetragenen Lebenspartnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare verletzt Art. 6 GG nicht. Der besondere Schutz der Ehe in Art. 6 Abs. I GG hindert den Gesetzgeber nicht, für die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft Rechte und Pflichten vorzusehen, die denen der Ehe gleich oder nahe kommen. Dem Institut der Ehe drohen keine Einbu&slig;en durch ein Institut, das sich an Personen wendet, die miteinander keine Ehe eingehen können.
...
Die Klagen der Sächsischen Staatsregierung, der Landesregierung des Freistaates Thüringen und der Bayerischen Staatsregierung werden abgewiesen.
- 2002 Im August tritt in Österreich der Paragraph 209 außer Kraft, der die Beziehung von schwulen Männer mit unter Achtzehnjährigen unter Strafe stellte.
- 2002 Schwedische Homosexuelle erhalten uneingeschränktes Adoptionsrecht. Schweden ist somit das erste Land der Welt, in dem ein einheitliches Adoptionsrecht für hetero- und für homosexuelle Paare gilt.
Partnerschaftsgesetz für Schwule und Lesben in Liechtenstein: die "Déclaration de Partenariat" bringt gemeinsame Kranken- und Rentenversicherung und steuerliche Vergünstigungen.